Spanische Aufholjagd im Glutofen: Deutschland bezwingt sich selbst beim 28:31 (17:13)
- 26. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Spanien dreht packendes Auftaktspiel dank taktischer Finesse und deutscher Fehlerquote
Zum Auftakt der 15. Airport Trophy in der Ruebisbachhalle in Kloten bekamen die Zuschauer direkt ein hochklassiges Duell geliefert. Bei extrem heissen Temperaturen in der Halle trafen der amtierende U19-Weltmeister Deutschland und Vizeweltmeister Spanien aufeinander. Während die Deutschen eine furiose erste Halbzeit hinlegten, bewiesen die Iberer im zweiten Durchgang den längeren Atem und nutzten die enorme Fehlerquote der DHB-Auswahl eiskalt aus.
1. Halbzeit: Knaack glänzt im Tor, Spanien rutscht in die Krise
Spanien eröffnete die Partie mit dem ersten Treffer, doch die deutsche Mannschaft fand schnell ihren Rhythmus. Angetrieben von einem extrem agilen und gefährlichen Rasmus Ankermann übernahm Deutschland das Kommando. Er riss immer wieder Lücken in die spanische Defensive und sorgte für viel Dynamik im deutschen Angriffsspiel. Nach einem schnellen Gegenstosstor in der 7. Minute lag Deutschland mit 4:2 vorn.
Der deutsche Torhüter Finn Knaack erwischte einen absoluten Sahnetag, avancierte zum besten Spieler seines Teams und entnervte die Spanier mit hochkarätigen Paraden aus dem Rückraum sowie einer spektakulären Doppelparade in der 12. Minute. Beim Stand von 7:4 in der 13. Minute sah sich Spaniens Trainer gezwungen, das erste Timeout zu nehmen. Als Ankermann kurz darauf eine wohlverdiente Pause auf der Bank einlegte, verlor das deutsche Spiel vorübergehend etwas an Zugkraft, doch die DHB-Auswahl hielt die Führung stabil.
Gegen Ende der ersten Halbzeit leistete sich Spanien eine fatale, fünfminütige Torlos-Phase. Die DHB-Auswahl nutzte dies gnadenlos: Torwart Finn Knaack krönte seine überragende Leistung der ersten Hälfte und traf gleich zweimal per Abwurf über das gesamte Feld ins leere spanische Tor. Ein technischer Fehler der Spanier im Spiel mit sieben Feldspielern besiegelte den deutlichen 17:12-Zwischenstand, ehe Spanien kurz vor der Sirene noch auf 17:13 verkürzen konnte.
2. Halbzeit: Der Wendepunkt durch Sieben gegen Sechs
Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich ein völlig anderes Bild. Beide Teams wechselten die Torhüter, und Spanien agierte nun mit einer offensiven Deckung sowie konsequent mit sieben Feldspielern im Angriff. Deutschland schwächte sich durch eine frühe Zeitstrafe selbst. Spanien nutzte die Überzahl perfekt: Anselmo Collado Carrion drehte jetzt auf, erzielte drei Tore in Folge und brachte sein Team im Alleingang auf 17:16 heran.
Das Spiel wurde nun merklich zerfahren, doch ein Mann übernahm bei den Spaniern komplett das Zepter und wurde zum Matchwinner: Marcos Fis Ballester. Mit wuchtigen Toren aus dem Rückraum und Nervenstärke vom Siebenmeterpunkt glich er in der 43. Minute zum 21:21 aus. Deutschland schlitterte in eine dramatische Offensivkrise und blieb über sieben Minuten komplett ohne eigenen Treffer. Spanien bestrafte dies mit der ersten Führung durch ein Tor ins verwaiste deutsche Gehäuse.
Selbst eine direkte Rote Karte gegen den spanischen Kreisläufer in der 48. Minute konnte die Wende nicht mehr einleiten. Deutschland agierte im Angriff ideenlos, leistete sich unfassbare 19 technische Fehler im gesamten Spielverlauf und vergab in der entscheidenden Phase hochkarätige Chancen – darunter zwei Siebenmeter gegen den neuen spanischen Schlussmann.
Der überragende Marcos Fis Ballester nutzte zwei deutsche Ballverluste per Gegenstoss eiskalt zur 26:24-Führung aus. In den Schlussminuten spielten die Spanier den Vorsprung clever, abgeklärt und mit viel Geduld über die Zeit, ehe sie den Deckel zum 31:28-Endstand draufmachten.
Ausblick
Ein am Ende verdienter Sieg für die Spanier, die sich nach einer schwachen ersten Halbzeit dank ihrer taktischen Flexibilität (7 gegen 6) und einer enormen Steigerung von Marcos Fis Ballester zurückgekämpft haben. Deutschland hingegen brachte sich durch eine Flut an technischen Fehlern und vergebenen Strafwürfen selbst um den Lohn einer starken Anfangsphase, in der Finn Knaack das Tor vernagelt hatte.
Für Spanien ist dies ein optimaler Start in die Mission Titelverteidigung. Deutschland steht am Samstag gegen Frankreich bereits unter Zugzwang, während Spanien auf die Gastgeber aus der Schweiz trifft.

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