Deutschland sichert sich Platz zwei: Schweiz beweist nach Fehlstart grosse Moral
- vor 11 Stunden
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Im letzten Spiel der 15. Airport Trophy bezwingt die deutsche Auswahl die Schweiz in einer torreichen Begegnung mit 35:33 (18:13). Während die DHB-Auswahl dank einer dominanten Anfangsphase den Grundstein für den Sieg legt, überzeugt die Schweizer Equipe mit einer starken Charakterleistung und kämpft sich nach einem deutlichen Rückstand wieder heran.
Die Vorzeichen vor dem nachbarschaftlichen Klassiker waren klar: Deutschland wollte mit einem Sieg den zweiten Turnierplatz absichern, während die Schweiz nach zwei Niederlagen vor heimischem Publikum auf Wiedergutmachung aus war. Der Start ging aus Sicht der Gastgeber jedoch völlig daneben. Abstimmungsprobleme im Schweizer Rückraum führten zu schnellen Ballverlusten, die von den Deutschen eiskalt bestraft wurden.
Deutscher Blitzstart und Schweizer Verunsicherung
Besonders der deutsche Kreisläufer Bennet Strobel war von der Schweizer Deckung überhaupt nicht in den Griff zu bekommen. Strobel erzielte in den ersten Minuten fünf Treffer fast im Alleingang und schoss sein Team früh deutlich in Front. Das Schweizer Spiel wirkte in dieser Phase unkonzentriert und fahrig. Nationalcoach Petr Hrachovec hatte die Partie ohne Spielmacher Tiago Cuencas begonnen – eine im dichten Turnierverlauf völlig normale Massnahme, um die Kräfte zu dosieren –, sah sich nun aber gezwungen, früh ein Timeout zu nehmen.
Die erhoffte Stabilität blieb jedoch zunächst aus. Direkt nach der Besprechung folgte der nächste technische Fehler, und Nils Epp scheiterte kurz darauf freistehend am stark reagierenden deutschen Schlussmann Finn Knaack. Als Johan Rohwer aus der zweiten Reihe völlig ungehindert einnetzte, drohte die Schweiz früh spielerisch auseinanderzufallen. Hrachovec brachte schliesslich Cuencas in die Partie, doch Knaack entschärfte direkt den nächsten schweizer Gegenstoss. Deutschland kontrollierte das Geschehen auf dem Feld so deutlich, dass Trainer Martin Heuberger trotz der klaren Führung ein Timeout nahm, um die Konzentration hochzuhalten.
Systemumstellung bringt die Wende
Die Schweiz probierte es in der Folge mit dem siebten Feldspieler im Angriff. Taktisch zeigte die Massnahme zwar zunächst gemischten Erfolg – auch weil das Rückzugsverhalten phasenweise die letzte Konsequenz vermissen liess –, doch ein Spieler verhinderte Schlimmeres: Alessandro Lüthi drehte nun auf und hielt die Schweiz mit starken Offensivaktionen im Spiel.
Während Cuencas in seinen Abschlüssen zunächst glücklos blieb und Deutschland über Julius Hein am Kreis erfolgreich nachlegte, pendelte sich der Rückstand der Schweizer bei rund sechs Toren ein. Kurz vor der Pause keimte jedoch Hoffnung auf: Angeführt von Lüthi, der mit seinem vierten persönlichen Treffer verkürzte, fing sich die Heim-Equipe. Mit einem deutlich erträglicheren Fünf-Tore-Rückstand ging es schliesslich in die Kabine.
Röttges führt die Schweizer Aufholjagd an
Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich die Schweiz wie ausgewechselt. Die Gastgeber verkürzten schnell und läuteten einen extrem schnellen Schlagabtausch ein, bei dem auf beiden Seiten Tore am Fliessband fielen. In dieser Phase drängte sich ein Schweizer besonders in den Vordergrund: Neil Röttges erwies sich im Eins-gegen-Eins als physisch kaum zu stoppen. Röttges zeigte eine perfekte Partie, blieb bei all seinen sieben Versuchen ohne Fehlwurf und brachte die Schweiz eigenhändig wieder bis auf zwei Tore heran.
Deutschland reagierte mit einem Timeout auf den schwindenden Vorsprung und schaffte es, sich wieder etwas Luft zu verschaffen. Doch die Schweizer dachten nicht daran, sich abschütteln zu lassen und blieben bis in die Schlussphase hinein auf Schlagdistanz.
Spannende Crunchtime in der Ruebisbachhalle
Wenige Minuten vor dem Ende mobilisierte die Schweiz die letzten Kräfte und verkürzte den Rückstand noch einmal auf zwei Tore. Die Sensation lag kurzzeitig in der Luft, doch in den hektischen Schlussminuten behielten die abgeklärten Deutschen die Nerven. Tom Koschek erzielte kurz vor dem Abpfiff den entscheidenden Vorentscheidungstreffer für die DHB-Auswahl, ehe Nils Epp per Siebenmeter den Schlusspunkt zum 33:35-Endstand aus Schweizer Sicht setzte.
Fazit: Deutschland sichert sich Platz zwei, Schweiz zeigt Charakter
Deutschland gewinnt das Spiel aufgrund der dominanten ersten Viertelstunde verdient und sichert sich damit den zweiten Rang im Abschlussklassement der Airport Trophy. Die Schweiz beendet das Turnier zwar ohne Punktgewinn, nimmt aus diesem letzten Spiel aber sehr wertvolle Erkenntnisse mit. Nach einer fehlerhaften Anfangsphase bewies das Team grosse Moral und hielt den EM-Mitfavoriten über weite Strecken komplett auf Augenhöhe.
Besonders die Offensivleistungen von Neil Röttges (7 Tore) und Alessandro Lüthi (6 Tore) machten Eindruck. Ein grosser persönlicher Erfolg zeichnete sich zudem für Tiago Cuencas ab: Trotz nur zwei Treffern im Abschlussspiel krönte er sich mit insgesamt 19 Toren zum unangefochtenen Topscorer des gesamten Turniers.

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